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Vergangenheitsaufarbeitung in China

Was leisten die Chinawissenschaften? Wiener WissenschaftlerInnen geben Einblick in ihre Forschung

05.03.2019, 18:00-20:00, Aula am Campus der Universität Wien, Spitalgasse 2-4 / Hof 1.11, 1090 Wien

Vergangenheitsaufarbeitung in China

Millionen Chinesen und Chinesinnen wurden Opfer von Terror und Willkür während der sogenannten „Kulturrevolution“. In der Volksrepublik China ist die Kommunistische Partei, die 1966 diese Bewegung ausgerufen hatte, immer noch an der Macht. Wie arbeitet man in der Volksrepublik China, in der es seither keinen politischen Regimewechsel gegeben hat, die eigenen Erfahrungen von Terror und Willkür auf?

In dieser Podiumsdiskussion analysieren Sinologinnen und Sinologen am Institut für Ostasienwissenschaften das politische, gesellschaftliche und ästhetische Erbe dieser Zeit und geben Einblick in ihre jüngsten Veröffentlichungen zur Kulturrevolution. Diese Podiumsdiskussion für eine interessierte Öffentlichkeit soll einen Blick über unseren europäischen „Tellerrand“ bieten: Der Zusammenbruch des politischen Regimes und ein neues politisches System markieren immer den Anfang einer Vergangenheitsaufarbeitung in Europa – genau davon kann in China keine Rede sein.

Die kontinuierliche Herrschaft der Kommunistischen Partei bleibt unangefochten, trotzdem werden von den politischen Machthabern Freiräume der innerchinesischen Diskussion über Schuld und Rehabilitation geöffnet und auch wieder geschlossen. Auch Zensur und Repression können die innerchinesische Diskussion nicht stoppen, sondern bestenfalls umlenken. Diese Podiumsdiskussion versucht zu klären, warum und wie Zeitzeugen, Schriftsteller und Filmregisseure die Kulturrevolution und ihre Opfer thematisieren, wie manche Zeitzeugen die Kulturrevolution und Mao Zedong glorifizieren, während andere Gruppen den Opfern gedenken wollen. Wir fragen aber auch, wie die Kulturrevolution auch in den Familien diskutiert und ‚am Leben‘ gehalten wird.

Diese Veranstaltung soll stellvertretend an dieser Thematik auch konkret sichtbar machen, welchen Beitrag das Fach Sinologie leistet. Sie kann auch das aussprechen und in den Mittelpunkt stellen, was innerhalb Chinas nicht sagbar ist. Zugleich stellt sich damit aber auch die Frage, welche methodischen und theoretischen Herausforderungen sich daraus ergeben.
 
Am Podium sind:
Dr. habil. Sascha Klotzbücher, Institut für Ostasienwissenschaften, Universität Wien
Ao. Prof. Dr. Agnes Schick-Chen, Institut für Ostasienwissenschaften, Universität Wien
Prof. Dr. Susanne Weigelin-Schwiedrzik, Institut für Ostasienwissenschaften, Universität Wien
Gesprächsleitung: Dr. Helmut Opletal, Institut für Ostasienwissenschaften, Universität Wien
 
Jüngste Veröffentlichungen der DiskutantInnen zum Thema:

Klotzbücher, Sascha (2019). Lange Schatten der Kulturrevolution: Eine transgenerationale Sicht auf Politik und Emotion in der Volksrepublik China. Gießen: Psychosozial Verlag.
 
Opletal, Helmut (Hrsg.) (2011). Die Kultur der Kulturrevolution: Personenkult und politisches Design im China von Mao Zedong; eine Ausstellung des Museums für Völkerkunde Wien - Kunsthistorisches Museum; 18. Februar bis 19. September 2011. Gent: Snoeck Publ.
 
Schick-Chen, Agnes (2018). Images of Redress and Rehabilitation: “Pingfan (in) Film” and Perceptions of Coming to Terms with the Past in China. In: The Politics of Memory in Sinophone Cinemas and Image Culture: Altering Archives (Routledge Contemporary China Series) (ed. by Peng Hsiao-yen and Ella Raidel) Abingdon: Routledge 2018, 46-66.
 
Weigelin-Schwiedrzik, Susanne & Cui Jinke. (2016). Whodunnit? Memory and Politics before the 50th Anniversary of the Cultural Revolution. The China Quarterly, 227, 734-751.

Dateien:
Plakat_A2_Vergangenheitsaufarbeitung_China_online.pdf246 K
Institut für Ostasienwissenschaften
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