Vortrag zu Rakugo 落語 im Festsaal Alsergrund am 8. September

08.09.2026

u:japan culture: Sarah Stark zu Herausforderungen zeitgenössischer Rakugo-Künstlerinnen

Gender als Performance: Herausforderungen zeitgenössischer Rakugo-Künstlerinnen

Ein u:japan culture Vortrag mit Rakugo-Forscherin Sarah Stark mit anschließendem Q&A mit Rakugoka

 

Dieser Vortrag untersucht die Erfahrungen weiblicher Künstlerinnen im Rakugo, einer traditionellen japanischen Form des komischen Erzählens, deren Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Obwohl Rakugo zu den wenigen klassischen japanischen Bühnenkünsten gehört, die Frauen offiziell den Auftritt auf ihren Hauptbühnen ermöglichen, hat es sich historisch als männlich dominierte Kunstform entwickelt: Seine professionellen Strukturen, sein Repertoire, seine Aufführungskonventionen und die Erwartungen des  Publikums wurden weitgehend von Männern und für Männer geprägt.

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die Herausforderungen, mit denen zeitgenössische Rakugo-Künstlerinnen konfrontiert sind. Untersucht wird, wie Frauen mit einem Repertoire umgehen, das häufig männliche Perspektiven ins Zentrum stellt, auf geschlechtsspezifischen Annahmen beruht oder offen misogyne Elemente enthält. Zugleich nimmt der Vortrag das weitere berufliche Umfeld in den Blick, in dem Frauen ihre Laufbahn aufbauen müssen, in einer Gemeinschaft mit nur wenigen erfahrenen Meisterinnen und anhaltenden Erwartungen an Stimme, Erscheinungsbild, Autorität und komische Legitimität.

Anstatt weibliche Teilhabe lediglich als Frage der Inklusion zu behandeln, zeigt der Vortrag, wie die Präsenz von Frauen die geschlechtsspezifischen Annahmen sichtbar macht, die dem Rakugo selbst eingeschrieben sind. Durch die Untersuchung sowohl struktureller Hindernisse als auch kreativer Antworten bietet der Vortrag Einblick in die Frage, wie Künstlerinnen Kontinuität und Wandel innerhalb einer klassischen japanischen Bühnenkunst aushandeln. Er fragt, was geschieht, wenn Frauen in eine Tradition eintreten, die lange Zeit den Performer, die Figuren und das Publikum als männlich gedacht hat - und wie sie durch Anpassung und Performance die Möglichkeiten des Rakugo heute neu gestalten.

Nach dem Vortrag folgt ein gedolmetschtes Gespräch mit Rakugo-Meister Sanza und Rakugo-Meisterin Komichi, bei dem das Publikum die Möglichkeit hat, Fragen zu ihrer künstlerischen Praxis, ihren Erfahrungen und ihren Blick auf die Tradition zu stellen.

 

Zeit: Dienstag, 08.09.2026, 18:00 Uhr

Ort: Festsaal der Bezirksvorstehung Alsergrund, Währinger Straße 43, 1090 Wien

Eintritt frei! Keine Anmeldung erforderlich.

 

Sarah Stark lebt und arbeitet s eit über 20 Jahren in Japan. Sie promovierte 2024 im Fach Japanologie an der Universität Ghent. Neben ihrer Tätigkeit in der Industrie forscht sie seit vielen Jahren zu Rakugo. Durch ihre praktische Arbeit im Rakugo-Umfeld, u.a. bei Veranstaltungen und internationalen Tourneen, verbindet sie akademische Analyse mit unmittelbarer Feldkenntnis. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Lernprozessen, professionellen Strukturen und Genderfragen in der Rakugo-Welt. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von japanischer Kulturwissenschaft, Performance Studies und praxisnaher Feldforschung.