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Vortrag, Prof. Dr. Hans Martin Krämer, 30. Oktober 2014, 18:30

Keine postdomestische Gesellschaft? Zur Sozialgeschichte der Mensch-Tier-Beziehung im modernen und frühneuzeitlichen Japan

Warum gibt es im heutigen Japan so gut wie keinen Vegetarismus? Warum ist der Tierschutz, sowohl der zivilgesellschaftlicher Gruppen als auch der rechtlich verordnete, so schwach? Die Vermutung drängt sich auf, dass kulturelle Faktoren eine Rolle spielen. Sozialhistorisch ist zuletzt argumentiert worden, eine Bewegung, die sich dem Schutz von Tieren widmet, habe nicht entstehen können, weil es im vormodernen Japan keinen engen Kontakt zu Tieren im Alltag gegeben habe, da Viehzucht nicht systematisch betrieben worden sei.

Neben der Schlüssigkeit dieses Argumentes als solchem stellt sich die Frage, ob die Prämisse vor einer historischen Analyse Bestand hat. In dem Vortrag soll auf der Grundlage von landwirtschaftlichen Ratgebern (nōsho) der Versuch einer quantitativen und qualitativen Einschätzung der alltäglichen Kontakte zwischen Menschen und Tieren in der japanischen Frühen Neuzeit, insbesondere der Tiernutzung in der Landwirtschaft, unternommen werden.

Hans Martin Krämer ist seit 2012 Professor für Japanologie an der Universität Heidelberg. Zuvor hat er in Bochum promoviert und habilitiert sowie Aufenthalte als Gastwissenschaftler an der Universität Tokyo, der Harvard University und am International Research Center for Japanese Studies (Nichibunken) in Kyoto absolviert. Seine Forschung berührt Fragen der japanischen Moderne in historischer Perspektive; Schwerpunkte sind insbesondere die Geschichte von Erziehung, Bildung und Wissenschaft, Religion sowie Ernährung und Natur.

Der Veranstaltungsflyer (PDF) ist hier zu finden.

Institut für Ostasienwissenschaften – Japanologie
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