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Vortrag: Barbara Holthus, 13. März 2014, 18:30 Uhr

Mütter gegen Radioaktivität. Eine Fallstudie

Nach der Dreifachkatastrophe in Japan vom 11. März 2011 sind viele Menschen in social movement organizations aktiv geworden, die sich aus Sorge um die Folgen der Atomreaktorkatastrophe von Fukushima neu gegründet haben. Die Situation hat besonders Eltern dazu bewegt, sich für den Schutz ihrer Kinder vor radioaktiv verstrahlter Nahrung und Umwelt zu engagieren. Dies zeigt sich beispielsweise in einem seither gegründeten, japanweiten Elternnetzwerk von über 300 Organisationen. Innerhalb dieses Netzwerkes gibt es Vereinigungen von Eltern, die sich an international sichtbaren Protestaktivitäten gegen die Nutzung von atomarer Energie beteiligen, andere wiederum lehnen die Teilnahme an Demonstrationen und Protestveranstaltungen ab und ziehen andere Wege der Partizipation vor, um das Ziel einer sicheren Umwelt für ihre Kinder zu erreichen.

Dieser Vortrag präsentiert Partizipationsstrategien dieser vergleichsweise „unsichtbaren“ Mitglieder der japanischen Zivilgesellschaft anhand einer Fallstudie des in allen 23 Tokyoter Bezirken vertretenen Netzwerkes von kodomo o mamoru kai(Vereine zum Schutz der Kinder); nämlich deren lokale Vereinigung im Bezirk Chiyoda. Dazu werden vor allem Daten aus Interviews und teilnehmender Beobachtung verwendet.

Das Fallbeispiel zeigt, dass sich vor allem Mütter in den lokalen Vereinigungen engagieren. Gleichzeitig verdeutlichen erste Ergebnisse der Studie, dass innerhalb der Organisationen hohes Sozialkapital entsteht, wohingegen die Einflussnahme auf die Lokalregierungen beschränkt zu bleiben scheint. Das Verständnis der Mutterrolle motiviert zur Aufnahme von Aktivitäten und wirkt sich fortwährend auf die Art und Weise der Partizipation aus. Die damit verbundenen Taktiken wirken auf den ersten Blick zwar unkoordiniert, sie zielen jedoch auf kontinuierliche und langfristige Kontrolle der lokalen Maßnahmen gegen radioaktive Verstrahlung ab.

Ort:
Institut für Ostasienwissenschaften – Japanologie
UniversitätsCampus, Hof 2, Eingang 2.4
Spitalgasse 2, 1090 Wien
Seminarraum 1

Barbara Holthus studierte in Deutschland, den USA und Japan. Sie promovierte sowohl in der Japanologie als auch der Soziologie. Von 2007 bis 2013 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Japanstudien Tokyo.  Sie forscht zum elterlichen Wohlbefinden, Kinderbetreuung, sowie zu Diskursen über eheliches Glück und Unglück in Japan. Seit Dezember 2013 ist sie an der Japanologie Wien tätig.

Institut für Ostasienwissenschaften
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Spitalgasse 2 - Hof 2
1090 Wien
E-Mail
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