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Mythische Dynamik – im und nach dem Nihon shoki

Hans Blumenberg hat Mythen charakterisiert als „Geschichten von hochgradiger Beständigkeit ihres narrativen Kerns und ebenso ausgeprägter marginaler Variationsfähigkeit“ (Arbeit am Mythos, 179). Die einschlägigen Bände der ersten offiziellen japanischen Reichschronik Nihon shoki (720) bestätigen diesen Befund doppelt: erstens, indem sie Varianten zur Haupterzählung mit aufführen, zweitens, weil einzelne Mytheme in abgeänderter Form wiederholt werden. Fraglich ist allerdings, ob dies allein den ästhetischen und psychologischen Motiven geschuldet ist, die Blumenberg geltend macht. Der Vortrag geht unter anderem am Beispiel des Izanagi/Izanami-Mythos der Frage nach, wie im Nihon shoki und in späteren Texten Varianten gebildet werden und was sie motiviert. Er zeigt, dass es erkennbare Zusammenhänge gibt zwischen den Änderungen und der mythologischen Absicht der fraglichen Erzählungen – und führt damit auch auf eine Modifikation des Mythenbegriffs.

 

Raji C. Steineck ist Ordinarius für Japanologie am Asien-Orient-Institut der Universität Zürich und Präsident der International Society for the Study of Time. Er studierte Japanologie, Philosophie und Musikwissenschaft in Bonn und Kyoto. Seine Forschungen gelten der Philosophie und Geistesgeschichte Japans, mit Schwerpunkten in den Bereichen Buddhismus, moderne Philosophie und Ethik sowie Kulturtheorie. Als zweiter Band seiner Kritik der symbolischen Formen (2014ff.) erscheint demnächst ein Buch zur Symbolischen Konfiguration altjapanischer Mythologien.

Institut für Ostasienwissenschaften – Japanologie

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